Zuerst die Biene – dann der Mensch
9. Mai 2008
»Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.«
Dieses Zitat wird oft Albert Einstein zugeschrieben, aber wahrscheinlich hat es eher ein anderer kluger Kopf geäußert. Wie dem auch sei – es ist schon erstaunlich, wie rabiat der Mensch mit der Natur umgeht. Von leichter Hand werden da Nervengifte freigegeben und eingesetzt, obwohl offensichtlich die Wirkung auf Lebewesen nicht zureichend erprobt wurde – vorausgesetzt, der Verdacht der badischen Imker stimmt. Wie kurzsichtig und dumm, wenn man sich klarmacht, dass die Ernten der Landwirtschaft unmittelbar von den Bienen abhängen.
Nachfragen unerwünscht
8. Mai 2008
Zu dem Fall Josef Fritzl wollte ich eigentlich aufgrund des bereits vorhandenen Medienhypes nichts schreiben, aber den Umgang mit Fehlern der ermittelnden Behörden finde ich einen Eintrag wert. Auf SpiegelOnline findet man diesen Videobeitrag zum Fall, in dem Franz Polzer, Leiter der Ermittlungen in Amstetten, dazu interviewt wird. Konkret geht es darum, wie die Behörden auf die seltsamen sog. Kindsablegungen reagiert haben; naheliegend wäre z.B. gewesen, herauszufinden, in welcher Sekte die Tochter untergekommen ist.
Franz Polzer: Es gibt unglaublich viele 18- und 19jährige, die gerade zu diesem Zeitpunkt ihr Elternhaus verlassen – manchmal ganz absichtlich, manchmal mit dem Wissen der Eltern – aber in sehr, sehr vielen Fällen, wo sie einfach weg wollen, weil es die Zeit ist, ein eigenes Leben zu beginnen.
Spiegel-Reporter: Also hat man denn mal nachgefragt beim Sektenbeautragten oder bei einer Stelle, die sich damit auskennt?
FP: (kurze Pause) Ich möchte Ihnen auf diese bohrenden Fragen keine Antworten mehr geben, denn …
S: Aber wieso, es liegt doch nahe, dass man mal nachfragt?
FP: Danke schön, ich möchte dieses Interview jetzt abbrechen.
S: Aber warum, es ist doch klar, dass man …
FP: Danke schön! Danke schön.
Keine Antwort ist auch hier mal wieder eine Antwort.
LIDL-Chef vs. Günter Wallraff & Markus Grill
7. Mai 2008
In der letzten Kerner-Sendung traf LIDL-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig auf den LIDL-Skandal-Enthüller Markus Grill sowie Günter Wallraff, der kürzlich undercover in einer Brötchenfabrik eines LIDL-Zulieferers arbeitete und unfassbare Arbeitsbedinungen enthüllte.
Auf SpiegelOnline findet man eine pointierte Besprechung der Sendung unter dem Titel »Keine Shakehands mit Herrn Dings« – die Sendung selbst hoffentlich bald in der ZDF Mediathek als Videostream.
Schöne neue Arbeitswelt
5. Mai 2008
Günter Wallraff hat bereits am Tag der Arbeit einen Artikel über seinen Undercover-Einsatz in einer Bäckerei, die für Lidl Brötchen herstellt, im »ZEITmagazin« veröffentlicht. Lesenswert! Interessant auch die Zurückweisung der erhobenen Vorwürfe auf der technisch wie gestalterisch hervorragenden Website von Weinzheimer. Schöner Ortsname zudem!
[Nachtrag: Ein Videobeitrag dazu auf SWR.de sowie ein ergänzendes Interview mit Wallraff auf ZEITonline]
[Nachtrag 2: LIDL hat auf seiner Seite eine Information veröffentlicht. Die Frage, die sich mir vor allem stellt: Wie kann es sein, dass drei Institute bei sechs unangemeldeten Qualitätssicherungsaudits bei besagter Firma keine Mängel feststellen konnten?]
Eine Spaßkanone wird 70
2. Mai 2008
Zufällig bin ich über diese fein geschriebene, mit vielen Kriegsmetaphern gewürzte Hommage an das fleischgewordene Witzebuch Fips Asmussen gestolpert. Einzig den letzten Absatz des Artikels, der zunächst einige der typischen Asmussen-Kalauer wiedergibt und dann vom »großen alten Mann des deutschen Kabaretts« spricht, muss man wohl hoffentlich als augenzwinkernde Anleihe bei des Asmussens verschobener Selbstwahrnehmung verstehen … angesichts des treffenden Schlusszitats ist es kaum anders zu deuten.
»Konvent für Deutschland«?
1. Mai 2008
Es gab einmal eine Zeit, da verstand man unter dem Begriff »Reformen« Schritte, die nötig waren, um die Lage der Bürger im Allgemeinen zu verbessern. Eine Reform war die Ausnahme von der Regel, damit das System als solches und somit auch der Staat Stabilität verkörpern konnte.
Heute gilt jegliche Reform als eine Art Allheilmittel und die neoliberalen Hohepriester möchten es möglichst als optimalen Dauerzustand darstellen. Als könnte auch hier der Weg das Ziel sein. Das Wort »reformieren« wird grundsätzlich synonym zu »Gürtel enger schnallen« verwandt. Rein theoretisch sind damit alle gemeint, rein praktisch trifft es seit Jahren vor allem die unteren Einkommensklassen. Zugleich werden immer mehr Menschen in Zeitarbeit und vom Staat subventionierte Niedriglohnjobs gebracht und ständig mit Horrormeldungen zum Thema Altersvorsorge gefüttert – und gleichzeitig wundern sich »Experten« über die stagnierende Binnennachfrage trotz der scheinbar niedrigen Arbeitslosenzahlen.
Über die NachDenkSeiten bin ich auf diesen Artikel von Matthias Breitinger gestoßen, der die fragwürdigen Ansichten des »Konvents für Deutschland« der Herren Herzog und Clement gehörig auseinandernimmt.
Jede Reform ist nur die Reform vor der Reform. Und jeder Schritt auf die Interessen der Wirtschaft zu wird als solche tituliert. Bestes Beispiel der letzten Zeit ist die Privatisierung der Bahn. Obwohl eine absolute Mehrheit der Menschen dagegen ist, die Bahn überhaupt zu privatisieren, wird ein Verkauf von 24,9% der Zwischenholding für den Personen- und Frachtverkehr an private Anleger beschlossen. Und zugleich wird eine beabsichtigte Festschreibung dieses Prozentsatzes schlicht weggelassen, wodurch sich dieser in absehbarer Zukunft unter einer neuen Regierung ohne größere Schwierigkeiten auf 49,9% oder darüber hinaus aufstocken lassen wird.
Die Rentenlüge
28. April 2008
Die Inhalte der vor kurzem hier erwähnten Doku »Rentanganst!« hat der SWR in einem TV-Beitrag des Magazins »Odysso« zusammengefasst. Einige wichtige Punkte werden hier wiedergegeben, unter anderem auch die Aussagen des allgemein gern zitierten Experten Dr. Bernd Raffelhüschen vor Versicherungsvertretern (»(…) im Grunde genommen nichts anderes als die größte Rentenkürzung, die es in Deutschland jemals gegeben hat!«), die hier aber leider nicht wie in der Doku direkt von einer seiner Aussagen für die Öffentlichkeit konterkariert wird (»Wir machen gar keine Rentenkürzung. Wir haben auch noch nie eine Rentenkürzung beschlossen.«). Leider ist die Doku nicht länger auf YouTube zu sehen … sie wird am 2. Juni um 22.30 Uhr im SR/SWR wiederholt! Weitersagen!
Im Zusammenhang mit der Rente werden auch immer wieder scheinbare Allgemeinplätze zur Demografie geäußert. Auch hierzu hat »Odysso« einen Magazinbeitrag zu bieten.
Zum Thema private Rente hat auch das Politmagazin »Monitor« einen sehenswerten Beitrag ausgestrahlt: »BILD und die Rentenangst - harte Interessen, weiche Zahlen« – im März 2006!