Herwig Kerscher* hat bereits am 22. April eine öffentliche Petition gegen die geplante Bahnprivatisierung auf den Seiten des deutschen Bundestages gestartet, die bislang noch viel zu wenige Unterzeichner gefunden hat. Also los jetzt! Und bitte weitersagen …*

P.S. Bitte nicht über die Link-Adresse wundern; die Petitionsausschuss-Seiten werden vom International Teledemocracy Centre an der Napier Universität in Edinburgh betreut, das das System mit Unterstützung der British Telecom Scotland entwickelt hat.

Gefunden via NachDenkSeiten.

*[Nachtrag am 20.5.: Ein Autor der Nachdenkseiten wies netterweise gerade per Kommentar darauf hin, dass Initiator Kerscher ein Mitglied der »Republikaner« ist. Das ist natürlich Mist … stellt sich die Frage, ob man deshalb eine an sich sinnvolle Petition nicht unterstützt? Diesbezüglich finde ich diese Ansicht recht sinnig.]

*[Nachtrag II am 4.6.: Der Petent hat nun gegenüber den NachDenkSeiten versichert, kein Mitglied der »Republikaner« mehr zu sein (was natürlich lange nicht heißen muss, dass er seine Gesinnung geändert hätte).]

In der letzten Kerner-Sendung traf LIDL-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig auf den LIDL-Skandal-Enthüller Markus Grill sowie Günter Wallraff, der kürzlich undercover in einer Brötchenfabrik eines LIDL-Zulieferers arbeitete und unfassbare Arbeitsbedinungen enthüllte.

Auf SpiegelOnline findet man eine pointierte Besprechung der Sendung unter dem Titel »Keine Shakehands mit Herrn Dings« – die Sendung selbst hoffentlich bald in der ZDF Mediathek als Videostream.

Günter Wallraff hat bereits am Tag der Arbeit einen Artikel über seinen Undercover-Einsatz in einer Bäckerei, die für Lidl Brötchen herstellt, im »ZEITmagazin« veröffentlicht. Lesenswert! Interessant auch die Zurückweisung der erhobenen Vorwürfe auf der technisch wie gestalterisch hervorragenden Website von Weinzheimer. Schöner Ortsname zudem!

[Nachtrag: Ein Videobeitrag dazu auf SWR.de sowie ein ergänzendes Interview mit Wallraff auf ZEITonline]

[Nachtrag 2: LIDL hat auf seiner Seite eine Information veröffentlicht. Die Frage, die sich mir vor allem stellt: Wie kann es sein, dass drei Institute bei sechs unangemeldeten Qualitätssicherungsaudits bei besagter Firma keine Mängel feststellen konnten?]

Es gab einmal eine Zeit, da verstand man unter dem Begriff »Reformen« Schritte, die nötig waren, um die Lage der Bürger im Allgemeinen zu verbessern. Eine Reform war die Ausnahme von der Regel, damit das System als solches und somit auch der Staat Stabilität verkörpern konnte.

Heute gilt jegliche Reform als eine Art Allheilmittel und die neoliberalen Hohepriester möchten es möglichst als optimalen Dauerzustand darstellen. Als könnte auch hier der Weg das Ziel sein. Das Wort »reformieren« wird grundsätzlich synonym zu »Gürtel enger schnallen« verwandt. Rein theoretisch sind damit alle gemeint, rein praktisch trifft es seit Jahren vor allem die unteren Einkommensklassen. Zugleich werden immer mehr Menschen in Zeitarbeit und vom Staat subventionierte Niedriglohnjobs gebracht und ständig mit Horrormeldungen zum Thema Altersvorsorge gefüttert – und gleichzeitig wundern sich »Experten« über die stagnierende Binnennachfrage trotz der scheinbar niedrigen Arbeitslosenzahlen.

Über die NachDenkSeiten bin ich auf diesen Artikel von Matthias Breitinger gestoßen, der die fragwürdigen Ansichten des »Konvents für Deutschland« der Herren Herzog und Clement gehörig auseinandernimmt.

Jede Reform ist nur die Reform vor der Reform. Und jeder Schritt auf die Interessen der Wirtschaft zu wird als solche tituliert. Bestes Beispiel der letzten Zeit ist die Privatisierung der Bahn. Obwohl eine absolute Mehrheit der Menschen dagegen ist, die Bahn überhaupt zu privatisieren, wird ein Verkauf von 24,9% der Zwischenholding für den Personen- und Frachtverkehr an private Anleger beschlossen. Und zugleich wird eine beabsichtigte Festschreibung dieses Prozentsatzes schlicht weggelassen, wodurch sich dieser in absehbarer Zukunft unter einer neuen Regierung ohne größere Schwierigkeiten auf 49,9% oder darüber hinaus aufstocken lassen wird.

Die Rentenlüge

28. April 2008

Die Inhalte der vor kurzem hier erwähnten Doku »Rentanganst!« hat der SWR in einem TV-Beitrag des Magazins »Odysso« zusammengefasst. Einige wichtige Punkte werden hier wiedergegeben, unter anderem auch die Aussagen des allgemein gern zitierten Experten Dr. Bernd Raffelhüschen vor Versicherungsvertretern (»(…) im Grunde genommen nichts anderes als die größte Rentenkürzung, die es in Deutschland jemals gegeben hat!«), die hier aber leider nicht wie in der Doku direkt von einer seiner Aussagen für die Öffentlichkeit konterkariert wird (»Wir machen gar keine Rentenkürzung. Wir haben auch noch nie eine Rentenkürzung beschlossen.«). Leider ist die Doku nicht länger auf YouTube zu sehen … sie wird am 2. Juni um 22.30 Uhr im SR/SWR wiederholt! Weitersagen!

Im Zusammenhang mit der Rente werden auch immer wieder scheinbare Allgemeinplätze zur Demografie geäußert. Auch hierzu hat »Odysso« einen Magazinbeitrag zu bieten.

Zum Thema private Rente hat auch das Politmagazin »Monitor« einen sehenswerten Beitrag ausgestrahlt: »BILD und die Rentenangst - harte Interessen, weiche Zahlen« – im März 2006!

Wer einmal die unheimlich intensive Doku »Zur Schuld verdammt« von Steven Silver gesehen hat, kann sich ein grobes Bild von der unvorstellbaren Grausamkeit des Völkermords in Ruanda im Jahr 1994 machen – und besonders davon, wie die Weltgemeinschaft vollständig versagt hat. Die BBC-Doku »Ruanda – Rückkehr der Mörder« erzählt von einem weiteren Kapitel dieser unmenschlichen Tragödie.

Man kann sich die Sendung auf YouTube in fünf Teilen ansehen.

Teil 1 auf YouTube
Teil 2 auf YouTube
Teil 3 auf YouTube
Teil 4 auf YouTube
Teil 5 auf YouTube

Mehr Infos zur Sendung bei BBC Germany.

Einstimmig

11. April 2008

Bei der morgendlichen toilettären Tageszeitungslektüre fiel mir vor einiger Zeit ein Satz auf, den ich bereits am Tag zuvor exakt so gelesen zu haben meinte. Und noch einer. Und noch einer.

Verdutzt suchte ich im Netz die Websites bekannter Zeitungen und Magazine auf und es bot sich mir immer das gleiche Bild: Als hätte ein Überjournalist per Copy & Paste denselben Artikel in allen Medien untergebracht. Als Quelle war jeweils eine deutsche Nachrichtenagentur, ich meine, die dpa, angegeben. Ich fragte mich, ob es denn sein kann, dass seriöse Journalisten einen kompletten Artikel einfach übernehmen und höchstens mit dem ein oder anderen Halbsatz aus dem eigenen Oeuvre garnieren? Höchst suspekt, leider kann ich mich nicht mehr an das Thema des Textes erinnern, aber sobald es mir wieder einfällt, ergänze ich es an dieser Stelle.

Weshalb ich diese alte Story wieder auspacke? Etwas ähnliches ist nun wieder passiert, nur etwas eklatanter, da eine klare Falschmeldung quer durch alle Medien gegangen ist.

Es geht um die von der EU angedachten Untertitelungen von Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Gestern habe ich das bereits gelesen und fand es durchaus sinnvoll. Allerdings scheint die Meldung bei einigen ganz anders angekommen zu sein, z.B. bei der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die verbreitete seither fröhlich, dass Sendungen laut EU-Vorschlag künftig nur noch im Original mit Untertiteln ausgestrahlt werden sollen – und zig Medien plapperten diesen Unsinn nach.

Sehr treffend hat diesen Vorgang der Journalist Stefan Niggemeier in seinem Blog wiedergegeben.

Stellt sich die Frage, ob unsere angeblich immer schnellebigere Zeit der Grund für diese Arbeitsweise ist? Oder schlicht Bequemlichkeit? Es ist ja sicherlich weniger anstrengend, einmal STRG+C, äh, sorry, APFEL+C und APFEL+V zu drücken, als selbst zu recherchieren oder die kopierten Texte zumindest einmal grob auf die wiedergegebenen Behauptungen zu prüfen.

Man mag diesen konkreten Fauxpas als eher unwichtige Marginalie abtun, doch wer garantiert mir, dass mit wichtigeren, essenziellen Themen nicht ähnlich umgegangen wird? Dass aus lauter angewöhnter Nachplapperei auch Halbwahrheiten oder gar Lügen verbreitet werden, und zwar durchaus auch dauerhaft, wenn diese im Vorfeld von einer Lobby gut vorgekaut und dann als schmackhafte Häppchen serviert wurden?

»Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.«
George Orwell, 1984