Die Talente der Illustrative
19. Juni 2008
Die Illustrative öffnet wieder ihre Pforten, diesmal in Zürich. Dass wieder ein neuer Talentwettbewerb gestartet wird, ist Grund genug, von unseren letztjährigen Erlebnissen zu berichten.
Der »Young Illustrators Award« hieß im letzten Jahr noch »Neue Talente« und wir sind unter die ersten zehn gekommen, die auf der Ausstellung präsentiert werden sollten, immerhin von angeblich ca. 600 Einreichungen. Riesenfreude! Die Plätze vier bis zehn sollten außerdem einen Farbstiftkasten des Sponsoren Faber Castell und einen Ausstellungskatalog erhalten. Um es vorwegzunehmen: Viel Rauch um Nichts.
Wir sind brav und etwas aufgeregt der Einladung zur Vernissage nach Berlin gefolgt (immerhin 500 km Wegstrecke) und durften eine wirklich schöne und interessante Ausstellung bewundern – nur die Arbeiten der »Jungen Talente« waren leider nirgends zu sehen. Auf Nachfrage hieß es, dass diese angeblich in den folgenden Tagen noch aufgestellt werden würden; man habe es nicht mehr rechtzeitig zur Eröffnung geschafft. Die Ausstellungskataloge waren übrigens auch noch nicht fertig und sollten uns nachgeschickt werden – was ebenoswenig erfolgte, wie die Zusendung der gesponserten Farbstiftkästen. Nachfragen per Mail und Telefon resultierten in weiteren nicht gehaltenen Versprechungen.
Nicht einmal auf der Website wurden die Gewinner erwähnt, geschweige denn deren Arbeiten gezeigt. Da wir telefonisch über unsere Plazierung informiert wurden, haben wir also praktisch keinerlei Nachweis in Händen oder online, dass wir wirklich unter den ersten zehn waren! Auch hier hieß es auf Nachfrage, man arbeite daran. Bis heute ist nichts davon zu sehen.
Es gab nach ähnlich enttäuschenden Erlebnissen weiterer Teilnehmer sogar einen Blog zum Erfahrungsaustausch, der aber aufgrund zu geringer Resonanz wieder aufgegeben wurde (denn wer beschäftigt sich gern lange mit einem derart frustrierenden Erlebnis).
Bei allem Respekt für die Mühe, die man für die Organisation eines solchen Events aufwenden muss, waren diese fragwürdigen Vorgänge auch deshalb enttäuschend, weil jeder Einreicher im Vorfeld 30 Euro Gebühr zu entrichten hatte. Wozu der Wettbewerb also in den Augen enttäuschter »Gewinner« wie uns (von den ca. 590 »Verlierern« ganz zu schweigen) in erster Linie diente, … na ja, das gehört wohl ins Reich der Spekulationen.
P.S. Zusätzlicher Frust kam aufgrund der chaotischsten Mitfahrgelegenheit aller Zeiten auf unserem Rückweg auf – aber davon erzähle ich vielleicht bei anderer Gelegenheit … ![]()
Im Abseits
13. Juni 2008
Bei der EM 2008 gibt es bereits einige strittige Abseits-Entscheidungen zu vermelden. Während das Kopfballtor von Portugals Pepe gegen die Türkei nicht gegeben, weil fälschlicherweise auf Abseits entschieden wurde und die Holländer mit van Nistelrooys Treffer einer seit Jahrzehnten im Verborgenen vor sich hinschlummernden Regel zu neuem Ruhm verhalfen, wurde im gestrigen Spiel Österreich – Polen ein Abseitstor nicht erkannt. Obwohl dieser Fauxpas durch eine sehr fragwürdige Elfmeter-Entscheidung wenige Sekunden vor Spielende “ausgeglichen” wurde, verunglimpfte die heilige Dreifaltigkeit (Klopp, Kerner, Meier) nach Spielschluss den Treffer der Polen als »Dreckstor«.
Abgesehen von der grenzwertigen Wortwahl, frage ich mich, ob die drei sich die Szene wirklich angesehen haben. Natürlich stand Guerreiro bei Ballabgabe im Abseits, das konnte man im Standbild deutlich erkennen; der Schiri an der Seitenlinie hätte es folglich sehen müssen. Wenn man sich das Spielgeschehen aber in Echtzeit ansieht, ist die Abseitsposition auch in der x-ten Wiederholung wahrlich schwer auszumachen, da Guerreiro nur einen Augenblick lang im Abseits steht . Der Linienrichter stand ja annähernd optimal und wäre es tatsächlich so deutlich gewesen, hätte er es gesehen. So aber musste er sich der Häme eines mit Superzeitlupe ausgestatteten Urs Meier ausgesetzt sehen.
In meinen Augen soll die Abseitsregel in erster Linie verhindern, dass ein Stürmer ständig in der Nähe des Strafraums herumlungern und entspannt auf einen Pass auf der Tiefe des Raumes warten kann. Die Zerfaserei von hektischen Spielsituationen vor dem Tor durch einen Linienrichter, der nachgewiesenermaßen gar nicht alle Spielerbewegungen erfassen kann, grenzt an ein Glücksspiel. Ich empfinde es auch als deutlich schlimmer, wenn in solchen Situationen ein reguläres Tor zum Abseitstor erklärt wird, als umgekehrt. Dass unter solchen Umständen bei den heutigen technischen Möglichkeiten nicht längst auf den Videobeweis zurückgegriffen wird, kann ich nicht nachvollziehen.
Buchstabensalat
4. Juni 2008

Amüsiert las ich letztens diese Debatte über das neue Google-Favicon. Abgesehen davon, ob dieser kleine Pixelhaufen eine Diskussion wert ist, habe ich mich angesichts der großteils negativen Reaktionen schon gefragt, was an dem alten Favicon besser gewesen sein soll.
Alt: ![]()
Neu: ![]()
Zumindest bei mir in der Firefox-Adressleiste sieht letzteres erheblich besser aus.
Aber eigentlich komme ich auf das Google-Favicon nur aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit des kleinen Gs in diesem tollen Videoclip von der Seite »Odd but cute«. Darin werden alle Buchstaben des Alphabets graphisch anhand einer Linie visualisiert. Sehenswert!
(»Letter Flow« gefunden via TypeNeu™)
Kinski – Jesus Christus Erlöser
21. Mai 2008

»Ich gehe jetzt noch ein Mal – und zwar zum letzten Mal – weg. Und wenn auch nur ein einziger übrigbleibt, der das hören will, dann muss er so lange warten, bis das andere Scheiß-Gesindel weggegangen ist!«
Seit einigen Tagen ist ein interessanter Doku-Film in den Kinos: »Kinski – Jesus Christus Erlöser«; die Dokumentation eines außergewöhnlichen Abends im Herbst 1971. Klaus Kinski in einer abendfüllenden Auseinandersetzung mit einem widerspenstigen Publikum.
Ich bin gespannt, ob das wirklich einen Kinofilm ergibt und sobald er auch in hiesigen Gefilden zu sehen ist, gibt es dazu einen Post. Die filmstarts-Rezension gibt Grund zur Hoffnung.
Nachfragen unerwünscht
8. Mai 2008
Zu dem Fall Josef Fritzl wollte ich eigentlich aufgrund des bereits vorhandenen Medienhypes nichts schreiben, aber den Umgang mit Fehlern der ermittelnden Behörden finde ich einen Eintrag wert. Auf SpiegelOnline findet man diesen Videobeitrag zum Fall, in dem Franz Polzer, Leiter der Ermittlungen in Amstetten, dazu interviewt wird. Konkret geht es darum, wie die Behörden auf die seltsamen sog. Kindsablegungen reagiert haben; naheliegend wäre z.B. gewesen, herauszufinden, in welcher Sekte die Tochter untergekommen ist.
Franz Polzer: Es gibt unglaublich viele 18- und 19jährige, die gerade zu diesem Zeitpunkt ihr Elternhaus verlassen – manchmal ganz absichtlich, manchmal mit dem Wissen der Eltern – aber in sehr, sehr vielen Fällen, wo sie einfach weg wollen, weil es die Zeit ist, ein eigenes Leben zu beginnen.
Spiegel-Reporter: Also hat man denn mal nachgefragt beim Sektenbeautragten oder bei einer Stelle, die sich damit auskennt?
FP: (kurze Pause) Ich möchte Ihnen auf diese bohrenden Fragen keine Antworten mehr geben, denn …
S: Aber wieso, es liegt doch nahe, dass man mal nachfragt?
FP: Danke schön, ich möchte dieses Interview jetzt abbrechen.
S: Aber warum, es ist doch klar, dass man …
FP: Danke schön! Danke schön.
Keine Antwort ist auch hier mal wieder eine Antwort.
LIDL-Chef vs. Günter Wallraff & Markus Grill
7. Mai 2008
In der letzten Kerner-Sendung traf LIDL-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig auf den LIDL-Skandal-Enthüller Markus Grill sowie Günter Wallraff, der kürzlich undercover in einer Brötchenfabrik eines LIDL-Zulieferers arbeitete und unfassbare Arbeitsbedinungen enthüllte.
Auf SpiegelOnline findet man eine pointierte Besprechung der Sendung unter dem Titel »Keine Shakehands mit Herrn Dings« – die Sendung selbst hoffentlich bald in der ZDF Mediathek als Videostream.
Schöne neue Arbeitswelt
5. Mai 2008
Günter Wallraff hat bereits am Tag der Arbeit einen Artikel über seinen Undercover-Einsatz in einer Bäckerei, die für Lidl Brötchen herstellt, im »ZEITmagazin« veröffentlicht. Lesenswert! Interessant auch die Zurückweisung der erhobenen Vorwürfe auf der technisch wie gestalterisch hervorragenden Website von Weinzheimer. Schöner Ortsname zudem!
[Nachtrag: Ein Videobeitrag dazu auf SWR.de sowie ein ergänzendes Interview mit Wallraff auf ZEITonline]
[Nachtrag 2: LIDL hat auf seiner Seite eine Information veröffentlicht. Die Frage, die sich mir vor allem stellt: Wie kann es sein, dass drei Institute bei sechs unangemeldeten Qualitätssicherungsaudits bei besagter Firma keine Mängel feststellen konnten?]