Roth mit Putin

Es ist schon interessant, dieses Interview von Thomas Roth mit Wladimir Putin, das kürzlich in dieser auf neun Minuten gekürzten Fassung in der ARD gezeigt wurde.

Erheblich interessanter ist allerdings all das, was gekürzt worden ist. Beim Spiegelfechter kann man sich das gesamte Interview ansehen und/oder durchlesen. Spannend auch die Frage nach Zensur bzw. Inkompetenz in Bergers Artikel sowie in der teils hitzigen Debatte in den Kommentaren.

Irgendwie widerstrebt es mir immer noch, die Medien unter Generalverdacht zu stellen; allerdings ist es mir vom ersten Tag des Konflikt übel aufgestoßen, dass man keine vernünftigen Hintergrund-Informationen über die Anfänge des Konflikts erhielt, wenn man die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt hat. Zwar wurden z. B. Südosseten und deren zerstörte Häuser gezeigt, die sich über die Angriffe der Georgier beklagten, doch eine genauere Erläuterung, inwieweit diese Vorwürfe der Wahrheit entsprachen und somit die erste Aggression tatsächlich von Georgien ausgegangen war, blieb grundsätzlich aus. Von Anfang an stand Russland als Aggressor im Mittelpunkt des Interesses; eine andere Sichtweise konnte man so kaum gewinnen.

Insofern können einen die zahlreichen kritischen Kommentare im tagesschau-Blogeintrag zum Interview kaum verwundern. Es ist zugleich toll anzusehen, dass sich viele eine zu einseitige Darstellung nicht gefallen lassen. Ob der Blog nun aufgrund der vielleicht zu kritischen Beiträge temporär offline ist war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nachtrag 1 (1.9., 17:36 Uhr):
Thomas Roth hat sich zu den Vorwürfen schriftlich geäußert.

Nachtrag 2 (2.9., 11:14 Uhr):
Eine längere Version des Interview-Videos ist nun auf tagesschau.de online.

Nachtrag 3 (4.9., 08:07 Uhr):
Im Deutschlandfunk lief gestern Morgen ein Interview mit Thomas Roth zum Thema. In meinen Ohren wirken seine Aussagen sehr uneinsichtig und beschwichtigend (mp3-Datei gibt es hier).

Eine Antwort zu “Roths gekürztes Putin-Interview”

  1. otti sagte

    Werte Damen und Herren der ARD,
    liebe Mitbürgerinnen und -bürger,

    helle Empörung geht um in unserem ansonsten recht tranigen Vaterland!
    War das ein ‘Interview’?
    War das Zensur?
    War das Gefälligkeitsjournalismus?
    Oder einfach Hofberichterstattung?

    Fragen über Fragen, die ausführlich von kompetenten Leuten hier diskutiert worden sind.
    Der Tenor der Einschätzungen kann für die öffentlich-rechtlichen Medien nur als total verheerend bezeichnet werden.

    Deshalb erübrigen sich weitere Ausführungen zum Fall Roth. Einige grundsätzliche Anmerkungen jedoch sind gleichwohl geboten.

    Wenn man demoskopischen Erhebungen glauben darf, so haben Politiker (ganz unten) neben Journalisten das schlechteste Standing bei der Bevölkerung. Das heißt, dass die Bevölkerung durchaus nicht grundsätzlich mit der Arbeit der Medien einverstanden ist und Ungereimtheiten selbstverständlich zu registrieren weiß.

    Die Medien sollten das Schweigen der Mehrheit nicht als Zustimmung missdeuten. Auch die Mehrheit ist des Denkens fähig.
    Die Mehrheit ist mit Politik und Medien schlicht und einfach unzufrieden!

    Politik und Medien fallen über einen Menschen her, den sie als „Florida-Rolf“ gebrandmarkt haben, aber von weiteren ‘Liechenstein-Nikoläusen’ hört man nichts.
    Für Ersteren wurden sogar Gesetze geändert, bei Letzteren wird geschwiegen.

    Welch eine beschämende Doppelmoral!

    Heute, wie regelmäßig, wird wieder von Preisabsprachen von Firmen in der Zeitung berichtet, wieder wird der Bürger geschädigt.

    Wieder wird der Bürger getäuscht und betrogen.
    Das ist die bittere Wirklichkeit in unserem Land.

    Und nun soll der georgische Aggressor auch noch wirtschaflich unterstützt werden?
    Das ist pure Unmoral!

    Wir sind das Volk.

    Nicht Frau Merkel.
    Oder die Medien.

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